Sonntag, 4. März 2018

Bergwandern auf Fuerteventura

Im Januar dieses Jahr machte ich einen Kurzurlaub nach Fuerteventura. Ich brauchte etwas Erholung und wollte ein bisschen Wärme genießen. Leider lief das nicht ganz so wie geplant. Inzwischen weiß ich, dass 2018 der kälteste Januar seit 50 Jahren war und das Winterwetter auf den Kanaren jetzt aktuell immer noch da ist, mit teilweise Schnee, starke Stürme und hohe Wellen. Ganz so schlimm wie derzeit war es bei mir noch nicht, aber trotzdem recht kühl, sehr stark windig und für die Insel zuviel Regen. Mit Badeurlaub war da nichts.

Bei der Busfahrt vom Flughafen zu meinem Hotel, die über eine Stunde fast durch die ganz Insel ging, sah ich so gut wie nur unbewachsene Berge und Hügel. Die Insel ist sehr karg, es gibt nicht einmal Süßwasser. Alles Wasser wird durch Entsalzungsanlagen gewonnen und es gibt noch zwei bestehende große Regenwasser Auffangstauseen.




Mit dem Bus ging es in den Süden nach Esquinzo de la Playa, wo meine Hotelanlage war.
Unterwegs hatte ich nur Augen für diese Berglandschaften. Viel mehr gibt es da auch nicht zu sehen, ein paar Häuser, keinen Wald, keine Bäume, vereinzelt mal wenige Palmen und ein paar niedrige Sträucher. Trotzdem ist es wunderschön und sehr reizvoll.


so viel Grün sieht man nicht überall


Da die Landschaft teilweise sehr trostlos aussieht, wurden dort sogar Teile der Star Wars Filme und ein Planet der Affen Film gedreht.
Braucht man die Landschaft eines anderen Planeten, hier wird man fündig.

Meine Hotelanlage war noch relativ klein und etwas entfernt von den riesigen Hotelkomplexe wie z.B. Costa Calma, Morro Jable usw.

Am ersten Tag machte ich die erste Erkundungstour auf die Berge. Ich musste nur über die Straße und war nach etwa 300m schon am Ortsrand. Dann begann schon die Wüstenlandschaft.
Ich wollte einfach nur mal mit dem Gelände vertraut werden, packte einen halben Liter Wasser ein, Sonnencreme, Jacke, Pullover und ein paar Kekse.

Blick zurück auf meine Hotelanlage links vom erreichten Hügelgipfel

links mein Hotel, das kleine Dorf und schon beginnt die Mondlandschaft

Ich hatte keine Ahnung wo ich hin ging, gutes Kartenmaterial hatte ich nicht, und die Touristenkarten sind nicht fürs Bergwandern gedacht, nur zur Grundorientierung.
Da ich gute Bergerfahrung habe und wegloses Gehen für mich kein Problem darstellt, ging ich einfach drauf los.

so ging ich weglos auf den Hügel in der Mitte

mehrere Täler musste ich durchqueren und einen Weg finden

der Hügel in der Mitte war mein Ziel

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichte ich den großen Hügel und war auch froh, denn das Wasser wurde langsam knapp. Ich war ja nicht auf eine größere Tour vorbereitet.
Aber den Hügel wollte ich unbedingt erreichen.

fast am Gipfel des Hügels
Gipfel 

Die Aussicht von dem Hügel war phantastisch. Schaute ich nach Süden, sah ich diese Bergkette mit dem höchsten Berg, den ich von dieser Stelle erkennen konnte.
Ich hatte nur einen Wunsch, da muss ich hin, ich werde über diese Gebirgskette gehen. Das war mein Ziel für den nächsten Tag.
Auf den Tourikarten, die ich dabei hatte, war nur sehr wenig vom Gelände zu erkennen und die Berge waren auch nicht benannt und Wege gab es gar nicht.. Aber nach der Touristenkarte könnte das sogar der höchste Berg der Insel sein.

Zurück im Hotel suchte ich alle Postkarten ab und fand auch eine ähnlich war wie das nächste Bild unten. Ich fragte an der Rezeption mehrere Leute, ob das eventuell der Pico de la Zarza ist. Sie konnten es mir nicht genau sagen.
Egal, ich brauchte irgend ein Ziel, und dieser höchste Berg am Horizont reizte mich und erst als ich am nächsten Tag dort angekommen war, wusste ich , es ist der höchste Berg auf Fuerteventura, mit 807m. Manchmal wird der Berg mit 812m angegeben. Allerdings geht man auch immer von Meereshöhe los.
Blick nach Süden zum Pico de la Zarza
Schaute ich nach Osten, das Bild unten, sah ich diesen Berg. Auch ein lohnendes Ziel. Ich weiß nicht wie er heißt, aber auch da werde ich beim nächsten mal noch hingehen.


  nur sehr wenig Pflanzenbewuchs
Am nächsten Tag machte ich mich nach dem Frühstück fertig zur Bergtour. Das Wetter war angenehm, nicht zu warm und nicht zu kalt. Aber sehr windig, was mir später noch sehr zu schaffen machte.

Ich nahm folgendes mit:
festes Schuhwerk, die Steine sind sehr spitz und scharfkantig
Jacke und Pullover
1.5L Wasser
einige Kekse und 2 belegte Brote vom Frühstück
Erste Hilfe Päckchen
Stirnlampe, Taschenmesser, Feuerzeug
Touristenlandkarte für den ganz groben Überblick
Sonnencreme/ Sonnenbrille

Eine kleine Warnung

Diese Bergtour konnte ich nur machen, weil ich gute alpine Erfahrung habe und wegloses Gehen im Gebirge für mich nicht unbekannt ist und gute Trittsicherheit ist wichtig. Ohne diese Erfahrung sind solche Touren sehr gefährlich und leichtsinnig. 
Wasser gibt es im Gelände unterwegs nirgendwo! 
Der Notruf ist auch auf Fuerteventura 112, ich wusste aber immer nur ungefähr anhand der ungenauen Karte, wo ich war.

Inzwischen habe ich mir zuhause besseres Kartenmaterial besorgt und es gibt auch Tourenführer mit einigen wenigen ausgewählten Wanderungen. 
Deshalb ist man in der Regel auf sich gestellt, da die Insel für Wanderer noch sehr schlecht erschlossen ist.
Es ist für die meisten Touristen eine Bade- und Erholungsinsel, keine Wanderinsel.


Den Weg vom Vortag bis zu dem Hügel hatte ich sehr einfach und schnell hinter mich gebracht.
Unterwegs sah ich einige Schutzbauten aus Steine. Ob für die Ziegen oder Hirten ist mir nicht ganz klar.

Danach war anfangs war noch ein Weg erkennbar, der dann aber bald aufhörte.

gut erkennbarer Weg am Anfang


So musste ich nun weglos weiter
Das Ziel hatte ich die ganze Zeit vor Augen, den es gibt außer ein paar wenige Sträucher nichts an Pflanzen. Es ist eine Lavagestein Wüsteninsel.
Nur ein paar Vögel sah ich fliegen und einige Ziegen herumlaufen. Es gibt ja scheinbar mehr Ziegen als Menschen auf der Insel. Und manche stürzen auch mal ab oder kommen sonstwie ums Leben.




Wolfsmilchgewächs

Der Wind wurde immer stärker und ich zog alles an was ich hatte. Meine Kappe musste ich oft festhalten, sonst wäre sie weg geflogen. Zeitweise habe ich sie sogar ganz weggelassen. Solch starken Wind kannte ich bisher nur im Hochgebirge in den Alpen. Das war sehr unangenehm und der Weg noch sehr weit.
Ab und zu konnte ich vom Grat herunter heruntersteigen und suchte mir einen Weg im Windschatten. Zum Glück war das Gelände meist sehr übersichtlich.

Teil des Grates

Nach etwa 3 Stunden konnte ich dann vom Weg aus zur anderen Küstenseite der Insel schauen, nach Osten und der Gipfel war auch schon näher erkennbar, aber noch weit weg.
Blick vom Grat zur Villa Winter und Cofete

Blick zum Gipfel


Der Gipfelaufbau war eingezäunt. Da ich ja nicht den offiziellen Weg ging und einfach weglos darauf zu, wusste ich das nicht. Also kletterte ich über den Zaun. Dann war ich in einem Labyrinth. Ich musste noch drei mal über die Zäune klettern, bis ich den Gipfel erreichte. Und erst dann wusste ich, dass es der höchste Berg der Insel war.
Der Weg den ich ging war wunderschön und sehr einsam. Es war ja kein offizieller Weg.
Vom Gipfel aus,konnte ich noch einmal auf einen großen Teil des Weges zurückschauen.

mein Weg zum Gipfel

auf dem Gipfel



Zurück ging ich den offiziellen Weg, bis nach Jandia/ Morro Jable. Von dort fuhr ich mit dem Taxi zurück zum Hotel. Die ganze Tour dauerte etwa 6 Stunden.

der Rückweg nach Jandia


Alpiner Basiskurs 2

Jedes Jahr führe ich für meine Sektion des Deutschen Alpenvereins einen 4-tägigen Alpinen Basiskurs durch.
Auch letztes Jahr war ich wieder mit 12 Teilnehmern Anfang Juli im Verwallgebirge für diesen Ausbildungskurs.
Diese Gegend eignet sich sehr gut für solche Kurse, die meisten Gipfel sind unmarkiert und das Gelände für Anfänger bis Fortgeschrittene sehr geeignet.


Die Teilnehmer sind sehr unterschiedlich gemischt von 20 Jahren bis zu 70 Jahren, Männer und Frauen, mit unterschiedlichen Bergerfahrungen und Erwartungen an den Kurs.
Die Ausbildung besteht aus einem praktischen und theoretischen Teil. Wir arbeiten gemeinsam ein etwa 40 seitiges Manuskript durch. Tagsüber gehen wir immer auf Trainingstouren wo wir auch viele Übungen durchführen und abends haben wir ein separates Zimmer für uns, wo wir noch vieles in der Theorie durchgehen, aber am nächsten Tag auch praktisch anwenden werden.

Es ist immer mein Ziel, dass die Teilnehmer alles was im Kurs besprochen wird, auch einmal praktisch geübt oder gesehen haben.
Im Laufe der Jahre habe ich den Alpinen Basiskurs eher in einen Survivalkurs umgewandelt.
Ich versuche immer je nach Wetterlage und vorhandenem Gelände möglichst viele Situationen praktisch durchzuführen, welche beim Bergwandern passieren können.

Dieses Jahr war das Wetter sehr durchwachsen und der Wetterbericht für die ersten 3 Tage war sehr regnerisch und mit Gewitter angesagt.
Laut Wetterbericht war am Aufstiegstag ab etwa 16 Uhr Gewitter und Regen vorhergesagt.
Um etwa 12.30 waren standen wir, nachdem wir ein Stück mit der Seilbahn gefahren sind, an diesem Wegschild.

Ich erklärte gleich am Anfang der Tour welche wichtige Anhaltspunkte uns diese Schilder geben können und besonders wenn Unwetter angesagt sind, die Stundenangaben sehr wichtig sein können.
Laut Wetterbericht hätten wir theoretisch noch ohne Gewitter an der Hütte ankommen können. Das kam dann aber anders. Darauf muss man vorbereitet sein, da Gewitter zwar angesagt werden können, aber niemals der genaue Zeitpunkt.

Diese Zeitangaben sind auch besonders für Gruppen interessant, da man an ihnen feststellen kann, wie schnell die Gruppe ist. Schafft man gemeinsam die angegebenen Zeiten oder braucht man viel länger dazu? So hat man eine gute Richtlinie.

Nach etwa 1,5 Stunden erreichten wir den wunderschönen Wiegensee, wo wir die erste größere Rast machten. Schon bis dahin sahen wir, dass die Wolken sich gewaltig zusammenzogen haben und in unsere Richtung kamen.
Wiegensee

Gewitterfront kommt auf uns zu. Blick vom Wiegensee.
Wir machten nur eine kurze Rast und gingen schnell weiter, da auch schon der erste Donner zu hören war. Kurz danach kamen die ersten Regentropfen. Der Wind und der Regen wurden schnell stärker und wir zogen unsere komplette Regensachen an.
Wir hatten Glück, dass wir nicht im Zentrum des Gewitters waren und es noch ein Stückchen von uns weg war. Und da wir noch beim Aufstieg waren, waren wir in noch einigermaßen sicherem Gelände, auch bei Gewitter. In der Verbellaalpe angekommen, standen schon mehrere Wanderer und Gruppen im Kuhstall der Alpe und auch wir standen dort unter und schauten dem Gewitter zu.

Nach etwa einer halben Stunde war der Regen nur noch sehr schwach und wir gingen weiter. Die Regenklamotten hatten wir noch an und die letzte Stunde zur Hütte wollten wir schnell hinter uns haben.

Bei der Hütte angekommen, kamen wir in winterliches Wetter. Die Tage vorher hat es dort noch öfters noch geschneit.
Schaidsee

die Neue Heilbronner Hütte im Schnee

Der Schaidsee, der auch für die Wasserversorgung der Hütte wichtig ist, war Anfang Juli an vielen Stellen noch mit Eis bedeckt.

Nachdem wir uns in der Hütte eingerichtet hatten, ging es nach dem Abendessen mit der Theorie los.
Zuerst sprachen wir noch einmal ganz gründlich über das Gewitter und wie man sich dabei im Gebirge verhält. Dieses Thema war ja schließlich ganz aktuell.
Danach ging es weiter mit der Ausrüstung, Planung und Durchführung von Bergtouren, Orientierung mit Karte und Kompass. Die Tour für den nächsten Tag wurde anhand der Karte ausgearbeitet.

Der nächste Morgen war sehr verregnet, so haben wir den Theorieteil nach dem Frühstück vorgezogen. Erste Hilfe, Vertiefung von Karte und Kompass, Alpine Gefahren.

Gegen 11 Uhr wurde der Regen schwächer und wir gingen in voller Regenkleidung endlich los.

Der Regen hörte bald auf aber die starke Bewölkung blieb. Die Sichtweite war nicht sehr groß. Uns war klar, dass wir aufgrund des Wetters und der Schneeverhältnisse weiter oben den geplanten Gipfel nicht schaffen werden. Das war aber nicht weiter schlimm. Ich führte die Gruppe voll in die Wolken, um bewusst zu zeigen, welche Situationen am Berg passieren können.

ein Steinmännchen zur Orientierung


Wir übten bei dieser Sicht die Orientierung mit der Karte und Kompass und ein Teilnehmer hatte sein GPS dabei. Aber irgendwann gibt es einen Punkt, wo man mit beidem nicht mehr weiter kommt. Außer man will sich bewusst in Gefahr bringen. Es gab einfach keine sichtbaren Orientierungspunkte mehr. Aber für die Teilnehmer war dieses White out eine völlig neue Erfahrung.

Noch vieles wurde in diesem Kurs geübt.
Begehen von Schneefeldern und Abrutschübungen. Auf Schneefeldern, besonders den Altschneefeldern passieren immer noch die meisten Unfälle beim Bergwandern.
Hier einige Bilder dazu auf dem Weg zur Westlichen Fluhspitze 2473m:


unser Weg zur Fluhspitze

Abstieg vom Gipfel

Aufstieg über eines der vielen Schneefelder

Wir übten Kletterpassagen, Gehen und Wegfindung im weglosen und unmarkierten Gelände, Trittsicherheit auf Geröll, Platten- und Blockgelände und größere Bäche zu überqueren.
Blockgelände


Klettern ohne Seil

Plattengelände

Plattengelände

Bachüberquerung


ein mit Schnee bedeckter Bach. Eine sehr gefährliche Situation

Wir spielten eine komplette Notfallübung durch mit Verletztentransport, Notrufkette, Erste Hilfe, Biwaksack und Verwendung der Rettungsdecke.



Biwaksack als Sonnen- und Windschutz
Orientierung mit Karte und Kompass:



Die letzten eineinhalb Tage wurde das Wetter besser und wir konnten sogar eine Theorieeinheit im Freien abhalten und noch am nächsten Tag einen weiteren Gipfel besteigen.
Unterricht im Freien nach einer gelungenen Tour

unser Weg zum Valschervieler 2696m

kurz vor dem Gipfel

der Abstieg


Der Kurs hat allen Teilnehmern sehr gut gefallen und das etwas schlechtere Wetter war ein Glücksfall für uns. Das Thema Wetterkunde und alpine Gefahren konnte ich an vielen Situationen praxisnah erklären, besser als jede Theorie.

Donnerstag, 8. Februar 2018

Wie klappt es wirklich mit den Sparen?

Unabhängig davon, ob man jetzt schon einen monatlichen Sparbetrag zur Seite legt oder nicht, geht es in diesem Beitrag nicht um das bisher gesparte. Das bleibt völlig unangetastet und soll auch nicht geändert werden.

Es geht um die zweite monatliche Sparrate, welche man durch Anwenden von Spartipps einsparen kann. Dieser Betrag wird nie gleich sein und sich immer ändern.
Aber jeder Betrag, der zum bisherigen Sparbetrag dazugelegt wird, ist ein Erfolg.
Und selbst wenn es mal einen Monat nicht klappt mit den Spartipps, hat man trotzdem noch seine bisherige Sparrate.

Eine traurige Tatsache


Das Leben ist heute so teuer geworden, dass man ernsthaft zum Sparen gezwungen ist. Kredite sind auf Dauer keine Lösung und vergrößern nur die Probleme.
Eine Brille, ein Zahnersatz, ein Unfall, eine größer Anschaffung, ein Urlaub usw. ist heute ohne etwas bei Seite zu haben fast nicht mehr erschwinglich.
Und wir alle bekommen immer mal wieder eine unangenehme finanzielle Überraschung, natürlich immer dann, wenn es gerade nicht passt.
Wir müssen alles daran setzen, in der Lage zu sein, etwas zurücklegen zu können.
Ich weiß, dass ist heutzutage leichter gesagt als getan. Aber es ist möglich.

Die meisten Spartipps, welche man so in den Medien finden kann, machen Sinn und können etwas bewirken. Aber viel zu oft verpuffen sie wieder.
Meist ist es so, dass wenn wir irgendwo etwas eingespart haben, z.B. beim letzten Stadtbummel weniger Snacks, Kaffee etc., dafür aber etwas anderes gekauft, weil ja auf einmal etwas mehr Geld übrig war.

Sparen oder nur Jonglieren mit dem Geld?


An einer Stelle eingespart, an der anderen wieder ausgegeben. So sieht der Kreislauf tatsächlich aus. Dem können wir leider nicht entkommen.
Das ist aber nicht weiters schlimm, denn nur Sparen ohne Zweck, macht ja keinen Sinn.
Nur Sparen damit man spart, ist Quatsch!

Im vorherigen Bericht habe ich geschrieben, dass die Einstellung zum Geld und dem Lebensstil überdacht werden muss, damit Sparen wirklich erfolgreich sein kann.

Wer wirklich erfolgreich sparen will, muss tatsächlich bereit sein, das ganze Leben neu auf den Kopf stellen.
Dazu gibt es viele Spartipps: Versicherungen überprüfen, Fixkosten reduzieren, Lebenskosten reduzieren, Konsum überdenken usw.
All die Spartipps die es dafür gibt, können wirklich mit großen Einsparungen erfolgreich sein.
Nur der Wille muss da sein, sie auch wirklich umzusetzen.

Es gibt Tipps, die bringen tatsächlich sichtbare Einsparungen, und manche helfen nur, um kein weiteres Geld ausgeben zu müssen z.B. das Beispiel mit der Verpackung als Müllbeutel aus einem anderen Beitrag von mir. Es bringt kein Geld, man braucht aber auch keins auszugeben.


Obwohl wir schon vorher unsere Versicherungen gut überprüft haben, so konnten wir letztes Jahr im September, als wir unser neues (gebrauchtes) Auto anmeldeten, wieder bei der Versicherung nochmalig etwa 50€ einsparen und sind noch besser versichert als vorher. Man lernt nie aus.

Der Kleinkrieg mit den vielen Spartipps


So wie oben können wir jeden Spartipp durchgehen, ob und wie weit er sinnvoll ist. Das muss aber jeder für sich selbst ausmachen.
Die Spartipps, welche ich in meinen vorherigen Beiträgen gebracht habe, wenden wir selbst auch fast immer erfolgreich an und sie helfen uns auch wirklich weiter.
Beim Sparen entscheidet jeder für sich selbst, wie weit man gehen will und kann.
Sparen kann auch anstrengend sein und es muss für viele ganz neu gelernt werden.
Es ist ein Lebensstil für den man sich entscheidet oder eben nicht. 
Aber sehr schnell hat man dies verinnerlicht und handelt einfach und denkt nicht mehr groß darüber nach. Es läuft so nebenbei.
Und wenn man den Erfolg sieht, macht es sogar richtig Spaß!



Aber das allergrößte Problem beim wirklich erfolgreichem Sparen ist die mentale Grundeinstellung dazu.
Wie ich schon im vorherigen Beitrag geschrieben habe, passt Sparen nicht so ganz in unseren heutigen Lebensstil. Und erzählen wir anderen davon, werden wir gerne belächelt.
Denn Verzicht, oder mal auf etwas länger warten, bis man es tatsächlich erspart hat, fällt heute vielen Menschen schwer. Selbst die Kinder lernen das heute so gut wie nicht mehr.

Da muss man drüber stehen. Und wenn  man weiß, warum man spart, ist das auch kein Problem mehr. Jeder muss selbst herausfinden, warum man spart.
Ich spare gerne weil:

  • ich mehr Geld für Reisen haben möchte
  • ich mit meinem Geld mehr anfangen möchte
  • je mehr ich die Fix- und Sonstige Kosten reduzieren kann, desto weniger hart treffen mich Geldeinbussen z. B. Arbeitslosigkeit
  • ich habe immer einen Geld puffer, auf den ich zurückgreifen kann, wenn unvorhersehbare Kosten aufkommen
  • es ist ein schönes Gefühl, etwas auf der hohen Kante zu haben
  • ich kann mir manche Dinge die ich möchte auch mal leisten
  • ich den Konsumzwang nicht mitmachen will
  • um besser auf eine magere Rente vorbereitet zu sein

Um wirklich sparen zu können darf man sich nicht mit den vielen einzelnen Spartipps verzetteln. Wir führen sie zwar durch, messen den Erfolg aber erst am Ende des Monats.

Beispiel: Haben wir es geschafft, heute mal auf einen Kaffee auswärts zu verzichten, oder auf den sonstigen 2. oder 3. legen wir das gesparte Geld nicht sofort weg. Es bleibt im Geldbeutel. Der Monat ist noch nicht vorbei. Aber mental gibt uns das einen großen Vorteil, weil wir einen großen gefühlten Erfolg verbuchen können. Das wird oft helfen, weiter Erfolge zu erreichen. Kommt das öfters vor, bleibt am Ende des Monats tatsächlich oft mehr übrig, als man sich selbst vorstellen kann.
Und dieses Geld wird dann natürlich zur Seite gelegt.

Die meisten Spartipps helfen nur dabei, die Kosten im Alltag etwas niedriger zu halten, damit man mit dem Grundgehalt besser zurechtkommt.
Den größten Sparanteil hat man nur, wenn man durch nutzen von Spartipps in der Lage ist, alle Zusatzeinkommen wie Weihnachtsgeld, Nebenjobs, Steuerausgleich usw. zum guten Teil sparen kann.

Denn viele Tipps bringen, einzeln gesehen, nur wenig Geld, aber auch Kleinvieh macht Mist, wenn am Ende des Monats wirklich eine brauchbar gesparte Summe übrig bleibt.

Fixkosten: wo und wie kann man da etwas reduzieren. Ist der schwerste Punkt aber nicht ganz unmöglich, hier etwas zu tun.

Lebenskosten: hier kann man sehr viel tun. Und Spartipps dafür gibt es genug.

Sonstiges: auch hier kann man sehr viel tun, ohne in Askese oder Geiz leben zu müssen. Wer es aber nicht schafft, seinen Konsum zu überdenken, wird keinen Erfolg haben.

Ganz wichtig beim Sparen ist es ein Haushaltsbuch zu führen. Man muss wissen und auch jederzeit nachschlagen können, wo die Ausgaben hingegangen sind. Alle Einnahmen und Ausgaben in verschiedenen Sparten werden dort eingetragen.

Sparen konkret

Ich bringe nochmal die Beispielrechnung vom letzten Beitrag.

Einkommen 2000€ - Fixkosten 1200€- Lebenskosten 600€ = 200€ übrig

Die letzte 200€ werden variieren. Es kommen immer unvorhergesehene Dinge, welche auch mal die 200€ brauchen werden. Oder sogar noch mehr.

Nach meiner persönlichen Erfahrung sieht es so aus, dass wenn sich das Anwenden der verschiedenen Spartipps eingependelt hat, man in etwa weiß, welchen Betrag man im Monat tatsächlich sparen kann. Das kann man am besten im Haushaltsbuch feststellen.
Einen Teil dieses Betrags, niemals alles, denn wir wissen nicht was noch kommt, dann am Monatsanfang gleich weglegen. Der Rest kommt am Ende des Monats dazu.

Dieser Betrag wird nie gleich sein. Jeder Monat ist anders.
Ich bin der festen Überzeugung, dass es in jedem Haushalt Einsparungsmöglichkeiten gibt. Mal mehr, mal weniger.


Schritte zum Sparen:

  • Unabhängig davon, welchen Betrag man bisher zum Sparen weglegt, müssen wir versuchen, diesen Betrag zu erhöhen. Der erste bisherige Betrag wird beibehalten und der zweite Betrag, der monatlich variieren wird, legen wir dann einfach am Ende des Monats dazu.
  • Hat man es geschafft, jeden Monat etwas einzusparen und der Betrag in etwa immer gleich ist, legt man gleich am Monatsanfang die Hälfte dieses Sparbetrags extra zur Seite. Das hat einen großen psychologischen Vorteil. Wir wissen noch nicht, wie sich der Monat entwickelt, aber eine kleine Sparrate haben wir schon. Selbst wenn es der einzige Betrag bleibt.
  • Hat man es geschafft, an einem Tag durch Spartipps etwas gespart zu haben, kann man sich belohnen, indem man einen Teil des Geldes, nicht alles, in eine extra dafür gedachte Dose, Glas oder was auch immer, hineinlegt. Und wenn es nicht viel ist, sieht man trotzdem einen messbaren Erfolg. 
  • Nie alles gesparte deswegen sofort weglegen, weil man nicht weiß, was noch kommt und wenn man Pech hat, kann in den nächsten Tagen alles wieder aufgebraucht sein. Und man muss wieder in den Spartopf greifen. Das kann sehr frustrieren, und sogar dazu führen, mit dem Sparen ganz aufzuhören, weil es ja doch keinen Sinn macht.
  • Ist der Monatslohn immer verschieden, wegen Zulagen, Überstunden usw., gehen wir immer vom Grundlohn aus, natürlich nur dann, wenn er tatsächlich zum Lebensunterhalt ausreicht. Bekommen wir mehr, ist es gut einen Teil davon, sofort wegzulegen. Hätten wir diese Zulagen nicht bekommen, müssten wir ja auch mit dem Grundgehalt auskommen. 
  • Das größte Ziel muss sein,dass man in der Lage ist, alle Zusatzeinnahmen, Nebenjob, Steuerausgleich, Urlaubs- und Weihnachtsgeld usw. einen großen Teil davon weglegen zu können.
  • Wenn das Anwenden von Spartipps dazu erfolgreich ist, um die wirklich großen Beträge sparen zu können, dann hat es sich auch wirklich gelohnt.
  • Denn dass sind letztendlich die wirklich großen Sparbeträge, mit denen wir uns große Dinge, Reisen, Medizinische Versorgung, Brillen Zahnersatz usw. leisten können.
  • Ziel muss es sein, so zu leben, dass wir im geregelten Alltag unabhängig von diesen Zusatzeinnahmen sind. 
  • Für Nebeneinkünfte sorgen. Um wirklich größere Summen sparen zu können.

Eine sehr erfolgreiche Spargeschichte
Im Sommer  letzten Jahres ging unser Küchenherd nach 16 Jahren kaputt. Wir gingen einen neuen kaufen. Wir hatten das Geld um bar zu bezahlen, darum fragten wir auch, ob wir Skonto bekommen, wenn wir jetzt sofort bezahlen. Nein war die Antwort, der Preis bleibt gleich.
OK, wir nahmen einen 6 monatigen sogenannten 0% Kredit, war ja sehr überschaubar.
Im nachhinein war das gut so, denn inzwischen ging auch das Auto kaputt und wir brauchten ein neues. Und wir hatten mehr Geld sofort auf der Hand, weil wir den Herd nicht bar bezahlt haben.

Auch da haben wir nach Rabatt bei sofortiger Barzahlung gefragt und auch bekommen.
Solche Dinge führen natürlich dazu, dass der Spartopf ziemlich leer geworden ist.
Aber egal, wir haben wenigstens einen, egal wie viel drin ist. Und ein leerer Topf kann auch wieder gefüllt werden.
Inzwischen ist der Herd abgezahlt. Diese monatliche Rate hat uns nicht sehr belastet und so haben wir beschlossen,diese Rate weiterhin jeden Monat zur Seite zu legen.

Es gibt immer Möglichkeiten zum Sparen, wir müssen sie nur nutzen! 


Ich wünsche euch allen viel Erfolg beim Sparen! Es lohnt sich.



Dienstag, 6. Februar 2018

Machen Spartipps Sinn? Was bringen sie wirklich?

Anregungen, Tipps und Ideen zum Sparen gibt es heute wie Sand am Meer. Es gibt schon eine sehr große Zahl an Büchern und unzählbare Mengen an Videos und Informationen dazu im Internet und andere Medien. Ich habe ja selbst auch schon hier im Blog öfters etwas dazu geschrieben.

Kurzer Rückblick


Schon seit meiner Kindheit lebe ich nicht verschwenderisch und lernte schon früh das Sparen. Wollte ich früher etwas haben, ein Fahrrad, Kassettenrekorder, eine Schallplatte, den Führerschein oder das erste gebrauchte Auto, so habe ich darauf sparen müssen. Mit etwas Glück haben dann die Eltern, Omas usw. dann noch etwas daraufgelegt. Sparen auf große Anschaffungen wurde von der Familie als Belohnung schon unterstützt, außer unsere Eltern waren total gegen diese Wünsche.
Auch Geburtstage und Weihnachten waren damals sehr wichtig für uns, weil wir da oft Wünsche erfüllt bekamen, die für unser Taschengeld schon recht teuer waren.

Einen Kauf auf Pump oder Schulden machen, kam für uns als Jugendliche nie in Frage.
Etwas zu kaufen, wenn  man das Geld dazu nicht hatte, war für uns undenkbar. Dazu hatten wir das Glück, dass wir gar nicht die Möglichkeit hatten, uns als Kinder und Jugendliche so zu verschulden,wie es heute leider möglich ist. Das hätten die Eltern auch niemals zugelassen.

Da wir ständig irgendwelche größere Wünsche hatten, habe ich mit meinen Freunden immer in den Ferien irgendwelche Ferienjobs angenommen und haben auch sonst nach Einkommensmöglichkeiten gesucht. Ich habe lange Zeit als Schüler fast jeden Samstag an einer Tankstelle gearbeitet. Das war damals wirklich gutes Geld.  Für meine Freunde und mich war das selbstverständlich und hat auch Spaß gemacht. Nebenbei habe ich bei den vielen Firmen, wo ich gejobbt habe, auch Dinge gelernt, von denen ich heute noch Nutzen davon habe.
Und das Schönste war, wenn wir endlich unser Sparziel erreicht hatten, wir es viel freudiger und länger genießen konnten, als das heute meist der Fall ist.

Die unzähligen Spartipps


In den letzten Jahren habe ich sehr viele Bücher, Internetseiten, Blogs und Foren gelesen und viele Videos geschaut, zum Thema sparen.
Mein erstes Fazit, der große Clou ist nirgends dabei und das meiste wiederholt sich ständig und wird immer wieder neu aufgemacht dargestellt. Das kann jeder, der sich nur ein bisschen mit diesem Thema befasst, sehr schnell feststellen.

Es ist schön und motivierend, solche Berichte zu lesen und Videos anzuschauen, aber was bleibt im Endeffekt wirklich davon hängen und wie erfolgreich sind diese Tipps?
Fast jede Zeitschrift hat heute Spartipps und sie gehören dazu, wie das wöchentliche Horoskop.
Und genauso Oberflächlich sind sie in der Regel auch.

Ohne Geld geht heute nichts. Weder Reisen, noch Mode oder sonstiger Konsum. Dementsprechend können wir auch überall in diesen jeweiligen Sparten Spartipps finden, den Sparen soll ja nur dem Zweck dienen, unsere Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen. Denn irgend jemand will immer an unser Geld. 
OK, das ist nicht ganz falsch und Geld ist nun mal das heutige Zahlungsmittel weltweit. Und wenn wir etwas möchten, dann brauchen wir auch das Geld dazu.

Also Sparen für den Konsum!

Warum klappt es nicht so recht mit dem Sparen?


Dazu gibt es mehrere Antworten, auf die ich auch zurückkommen werde, aber zuerst der Wichtigste Gedanke dazu.

"Der Betrag, den wir tatsächlich sparen können ist in der Regel sehr gering!"

Die heutige Löhne sind oft nicht mehr so berauschend groß, oder anders gesagt, bei vielen bleibt nach Abzug aller Kosten nicht mehr viel übrig. Das ist unabhängig vom Verdienst. Wer mehr verdient hat nicht unbedingt mehr Geld übrig, weil der Lebensstil und die Kosten dann meist auch dementsprechend höher ist. 

Ein kleines Rechenbeispiel:
Einkommen 2000€. Miete, Fixkosten usw. 1200€. Lebensmittel, Auto, Sonstiges 600€. Da bleiben rechnerisch 200€

Theoretisch bleiben 2400€ im Jahr übrig.
Das reicht nicht für große Sprünge und mit Sparen ist da auch nicht viel drin.
Auf diese (Milchmädchen) Rechnung werde ich im nächsten Teil noch einmal eingehen.

Diese Rechnung muss jeder für sich mit seinen eigenen Zahlen durchgehen.
Kommt eine Autoreparatur, kaputte Waschmaschine und ein Urlaub dazu, ist man eher im Minus als im Plus.
Das ändert sich auch nicht, wenn wir einen "Coffee to go" mehr oder weniger trinken.
Dieser Kaffee gehört ja zum Standard der Spartipps. 

Die Lage scheint hoffnungslos zu sein.

Wie kann man sparen und bringen Spartipps doch etwas?


Sie bringen viel, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.
Und das ist zuallererst die mentale Einstellung dazu.

Wir müssen uns ganz klar sein, dass wir nur ein Gewisses Einkommen haben und mit diesem auch zurecht kommen müssen.
Dieser Standpunkt ist heute leider etwas unpopulär, da eine riesige Kreditwirtschaft und auch die gesellschaftlichen Gepflogenheiten und etwas anderes vorgaukeln wollen.

Nicht nur Wollen, sondern sehr hartnäckig darauf hinarbeiten.
Ständig werden wir mit Kreditangeboten, 0% Finanzierungen, Kaufe jetzt- zahl später! usw. überhäuft.
Es ist heute eine Selbstverständlichkeit, wenn wir für etwas das Geld nicht haben, mal schnell einen Kredit aufnehmen oder ein Finanzierungsangebot mit kleinen Raten in Anspruch nehmen.
Das gehört heute zum guten Ton. Nur nicht auf etwas verzichten. Das macht man heute nicht mehr.

Sparen, wie es noch in meiner Kindheit in den 80er Jahren und noch früher natürlich, üblich war, gibt es heute nicht mehr. Es wird sogar oft darüber gelacht, wenn man von früher erzählt. Wir sind ja heute so modern und fortschrittlich.

Aber egal wie fortschrittlich wir heute sind, die Ausgangslage, dass wir nur einen Gewissen Geldbetrag zur Verfügung haben, ändert sich nicht.

Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass die ganzen Spartipps, die heute so verbreitet werden, nur zur Gewissenberuhigung dienen, um den bisherigen Lebensstil weiterzuführen, aber die finanzielle Lage im Gesamten nicht ändern!

Um wirklich einen brauchbaren Nutzen der Spartipps zu haben muss man seine Grundeinstellung zum Geld ändern und auch bereit sein, den Lebensstil oder die gängigen Meinungen die es zum Geld heute gibt, überdenken.

Einfache Formel zum Geld:
Wir können nicht mehr ausgeben, als wir zur Verfügung haben. Und Sparen können wir nur von dem, was nach allen unseren Ausgaben übrig bleibt.

An dieser Schraube, dass am Ende des Monats mehr übrig bleibt als bisher, kann man drehen.
Dazu werde ich in den nächsten Tagen einen weiteren Beitrag schreiben