Montag, 28. Juli 2014

Alpine Gefahren 2

Risiko und Erfahrung


Der Mensch ist von Natur aus dazu bereit, vielleicht sogar süchtig danach, Ungewissheit zu erleben. Während der Alltag immer sicherer wird, geben uns die Berge die Chance, diese totale Sicherheit zu verlassen.
Das heißt aber nicht, dass in den Bergen lauter Leichtsinnige und Lebensmüde unterwegs sind. Niemand will in den Bergen umkommen.
Man will dort etwas erleben, sich verausgaben, an seine Grenzen gehen, gesteckte Ziele erreichen, sich intensiv erleben, erholen – aber nicht dort sterben.

Jeder Mensch hat eine andere Risikobereitschaft. Was für den einen als wahnsinnig erscheint, ist für den anderen harmlos. Bevor man aber deswegen jemand aburteilt, sollte man bedenken, dass das Leistungsniveau im Bergsport extrem unterschiedlich ist.

Der eigene Erfahrungsstand spielt natürlich auch eine wichtige Rolle, ob ein Unternehmen Wahnsinn oder eine helle Freude wird.
Es erheitert mich immer wieder, wenn mir ahnungslose Nichtbergsteiger Tipps und Ratschläge geben, wie ich mich in den Bergen zu verhalten habe, mich davor warnen alleine in die Berge zu gehen, was ich sehr oft und gerne mache usw.
Hier treffen Erfahrung und Hörensagen heftig aufeinander.

Trotzdem, ein Restrisiko bleibt. Denn im alpinen Gelände drohen alpine Gefahren.
Wer sich ihrer bewusst ist, ist in den Bergen bedeutend sicherer unterwegs.

Das gefährliche an den Gefahren ist, dass tagtäglich viele Fehler gemacht werden. Aber nicht alle Fehler gleich erkannt werden oder zu Unfällen führen.
Derjenige, der den Fehler gemacht hat, merkt häufig nicht einmal, das er einen Fehler gemacht hat und lernt daher auch nichts daraus. Auch Routine kann zu Fehlern durch mangelnde Aufmerksamkeit führen. So geschehen oft die meisten Kletterunfälle in den Kletterhallen und Felsengärten. Aber natürlich auch beim Bergwandern.

Alle großen Heldentaten im Alpinismus entstanden nur, weil die Akteure bewusst Risiken und Gefahren eingegangen sind. Das heißt nicht, dass der Normalbergsteiger dies nachmachen sollte.

Der Geübte und Erfahrene wird sich weniger alpinen Gefahren aussetzen, als der Neuling.
Er hat schon viel erlebt und aus brenzligen Situationen gelernt und geht auch ganz anders mit ihnen um.
Dieses Lernen und Erfahrung sammeln geht nur durch die Praxis. Aus Büchern und Blogs kann man nur Theorie und Wissensgrundlagen erlesen. Sie ersetzen nicht die eigene Erfahrung.
Man muss daher sein Tun und seine Touren den eigenen Grad der Erfahrung anpassen und langsam, parallel mit der zunehmenden Erfahrung auch die Schwierigkeit der Touren steigern.

Wer nur liest und nicht selbst einmal in den Bergen war, kann leicht beim Lesen der vielen Gefahren, die dort passieren können, zum Entschluss kommen, da bleib ich lieber den Bergen fern. Aber Autofahren ist definitiv gefährlicher als das Bergwandern.

Der Absturz

Bergsteiger stürzen ab, dass passiert leider immer wieder. Der Absturz ist der Inbegriff für die Gefährlichkeit der Berge. Das wissen sogar die Leute, welche noch nie die Berge selbst von weitem gesehen haben.
In den meisten Fällen ist der Absturz auf menschliches Versagen, zu wenig Erfahrung, Selbstüberschätzung, Stolpern, Fehleinschätzung zurückzuführen.
Selten unverschuldet, wenn z.B. Seilsicherungen ausbrechen, Steinschlag oder das Seil reißt.

Öfters hört man wieder die Meldungen, dass komplette Seilschaften abstürzen.
Wie passiert so etwas?

Staatl. Geprüfte Bergführer üben jahrelang, den Kunden am Seil zu führen.
Der durchschnittliche auch bessere Bergsteiger kann das in der Regel nicht! Auch wenn man in der Praxis immer wieder solche Seilschaften sieht. Es gibt nur eine scheinbare Sicherheit, sie kann trügerisch sein.
Bei steilem Gelände kann es sehr gefährlich bis tödlich sein, wenn ein Seilpartner stürzt oder stolpert. Die anderen werden ihm in den seltensten Fällen halten können und werden mit in die Tiefe gezogen.

Darum gibt es bei steilen und gefährlichen Abschnitte nur 3 Arten der Sicherung:

  • kurzes Seil (für Seilschaften mit Bergführer)
  • Sicherung über Fixpunkte (für unsichere Geher)
  • seilfreies Gehen ( für sichere Geher)

Seilschaften, das heißt gemeinsam am Seil mit dem Klettergurt angeseilt zu sein, ist für den normalen Bergsteiger und Hochtourengeher nur sinnvoll und Lebensnotwendig bei Gletschertouren. Der Sturz eines Seilpartners in eine Gletscherspalte ist anders zu handhaben, als der Sturz in steilem Gelände.

Steinschlag


Während ich diese Zeilen schreibe, leckt meine Frau ihre Wunden, geschwollener Unterschenkel mit wunderschönen blauen und bunten Flecken. Ihre Bergkameradin hat auf einem Geröllfeld letztes Wochenende bei ihrer gemeinsamen Bergtour einen großen Stein losgelöst. Aber die Tour konnte weitergeführt werden und sie plant schon die nächste Tour.

Steinschlag ist sicherlich diejenige unter den alpinen Gefahren, die man am wenigsten durch Können oder Erfahrung beeinflussen kann.
Das heißt aber nicht, dass man diese Gefährdung überhaupt nicht beeinflussen kann.

Wie kommt es zum Steinschlag?
  • Durch vorausgehende Bergsteiger
  • Durch Tiere z.B. Gämsen
  • nachmittags durch Auftauen der gefrorenen Schicht. (Permafrost)
  • starke Regenfälle


Kommt man an einen bekannten Steinschlag gefährdeten Hang, hat man mehrere Möglichkeiten:

  • Droht Steinschlag, trägt man einen Helm. Wenn man ihn dabei hat.
  • Passagen, wo Steinschlag droht, sollen schnell, aber ohne Hektik passiert werden. Auf keinen Fall pausieren, Kleider wechseln o.ä.
  • Bei der Tourenplanung und Routenwahl kann man überlegen, ob oberhalb andere Bergsteiger zu erwarten sind. Wenn ja, früh aufstehen um möglichst der Erste zu sein oder warten, bis die anderen Gruppen weg sind oder gleich eine andere Route wählen.
  • Die Geländewahl kann entscheidend sein. In Rinnen und Trichtern sammeln sich die Steine, auf Grate und Rücken geht man sicherer.
  • Bei kürzeren Passagen geht man sie einzeln. Der Nächste geht erst, wenn der andere aus dem Schussfeld ist.
  • Bei längerem Steinschlag gefährdeten Passagen ist es besser, wenn die Gruppe eng beieinander bleibt (Beim Aufstieg). Dann treffen losgelöste Steine mit einer nicht zu hohen Geschwindigkeit auf die Nachfolgenden. Hätte meine Frau dies nicht beachtet, wäre der Steinschlag heftiger ausgefallen.
  • Ist man an einer Flanke (Steilwand) oder Wand Steinschlag ausgesetzt, läuft man am besten eng an der Wand und wenn man Zeit hat, den Rucksack über den Kopf ziehen.





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